Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht

Alexander-von-Humboldt-StipendiatInnen seit Oktober
(Personalien, 12.10.2018)
 

Seit Anfang Oktober forschen drei StipendiatInnen der renommierten Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH-Stiftung) am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg:

Der iranische Wissenschaftler Dr. Mojtaba Jafari wird zwei Jahre lang an unserem Institut zum Thema "Foundations, principles and methods of fights against corruption in Iran" (Grundlagen, Grundsätze und Methoden im Kampf gegen Korruption im Iran) arbeiten.
Dr. Jafari erhielt das Georg-Forster-Forschungsstipendium der AvH-Stiftung, das an Wissenschaftler/innen vergeben wird, die mit ihrem Forschungsvorhaben einen Beitrag zur Entwicklung ihrer Herkunftsregion und zum Austausch von Wissen und Methoden zwischen Deutschland und ihrem Herkunftsland leisten wollen. Die Förderung richtet sich ausschließlich an Forscher/innen in Ent­wick­lungs- und Schwellenländern.

Die spanische Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. h.c. Lorena Bachmaier-Winter wird bis Ende des Jahres zum Thema "International Cooperation in Fighting Transnational Organised Crime: cross-border gathering of e-evidence and protection of fundamental rights" (Internationale Zusammenarbeit beim Kampf gegen das transnationale Organisierte Verbrechen: grenzüber­schrei­ten­der Zugang zu elektronischen Beweismitteln und Schutz der Grundrechte) forschen. Prof. Lorena Bachmaier-Winter kommt von der Universidad Complu­ten­se in Madrid und blickt bereits auf eine Reihe von Forschungs­aufent­halten in Freiburg zurück.

Ebenfalls seit Anfang Oktober ist auch Frau Dr. Jiajia Yu als AvH-Stipendiatin am Institut. Ein Jahr lang wird die chinesische Gastwissenschaftlerin hier zum Thema "Cybercrime in China: Definition, Typology and Criminalization in the Perspective of Comparison" (Cybercrime in China: Definition, Typisierung und Kriminalisierung im Vergleich) forschen.
Frau Dr. Yu ist Associate Professor an der KoGuan School of Law der Jiaotong-Universität Shanghai.

Im Fokus

Projekt zum Thema Wirtschaftsspionage und Konkurrenzausspähung:

Wirtschaftsspionage sowie Konkurrenz­ausspä­hung und die durch sie entste­hen­den – materiellen wie auch immateriellen – Schäden haben in den letzten Jahren zunehmend die Aufmerksamkeit von Wissenschaft und Politik auf sich gezogen. Dennoch bestehen sowohl auf nationa­ler als auch auf europäischer Ebene erhebliche Forschungs­lücken. Um den Kenntnisstand auf diesem Gebiet zu erweitern, hat die krimino­lo­gische Abteilung des Instituts das Projekt Wirtschafts­spionage und Konkurrenz­ausspähung in Deutschland und Europa – kurz WiSKoS – initiiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt dafür im Rahmen seines Förderprogramms Forschung für die zivile Sicherheit knapp eine halbe Million Euro zur Verfügung. Realisiert wird das Vorhaben in einem interdisziplinären Forschungsverbund, an dem auch das Fraunhofer Institut für System- und Innovations­forschung, das Bundes­krimi­nal­amt, das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Sächsische Hochschule der Polizei beteiligt sind.

Das modular strukturierte Projekt fokussiert sich im Kern auf den juristi­schen und statistischen Vergleich der aktuellen Bedro­hungs­lage und des Risikos der Betroffenheit für kleine und mittel­ständi­sche Unternehmen (KMU) in den europäischen Ländern. Einen zweiten Forschungsgegenstand bilden die besonderen Schutz­bedürf­nisse von Wissenschaftsorganisationen.

Ziel der methodisch wie thematisch vielseitigen Untersuchung ist einerseits die Sensibilisierung von Unternehmen und Wissen­schafts­organi­sationen für Spionagephänomene, andererseits die Analyse und Optimierung der Kooperation betroffener Unternehmen und Organisationen mit den deutschen Behörden.

Die Ergebnisse der insgesamt drei Projektabschnitte (europaweites Länderscreening, Mehrebenen-Evaluation und eine erweiterte Dunkel­feld­befragung) werden der Öffentlichkeit in mehreren Buch­publi­kationen zugänglich gemacht. Die im Projektverlauf zuneh­men­de Konzentration auf Deutschland wird in die Ausarbei­tung von drei Handlungsleitfäden für Behörden, Wissenschafts­organi­sa­tionen und KMU münden. Im Fokus stehen hier Kooperations- und Präventionsmöglichkeiten.

Erste Projektergebnisse wurden bereits veröffentlicht:

  • Bollhöfer, E., Jäger, A. (2018): Wirtschaftsspionage und Konkurrenz­aus­spä­hung – Vorfälle und Prävention bei KMU im Zeitalter der Digitalisierung, Reihe "Arbeitsberichte", 84 S.
  • Carl, S., Kilchling, M., Knickmeier, S. & Wallwaey, E. (2017): Wirt­schafts­spionage und Konkurrenzausspähung in Deutschland und Europa, Reihe "forschung aktuell | research in brief", 137 S.
  • Carl, S. (2017): An unacknowledged crisis – economic and industrial espionage in Europe, in: Spinellis et al. (Hrsg.): Europe in Crisis: crime, criminal justice and the way forward, S. 755-761.
  • Kilchling, M. & Carl, S. (2016): Wirtschaftsspionage und Konkur­renz­ausspähung in Deutschland und Europa (WiSKoS), in: P. Zoche, S. Kaufmann & H. Arnold (Hrsg.): Grenzenlose Sicherheit? Gesellschaftliche Dimensionen der Sicherheitsforschung, S. 183-196.

Weitere Publikationen sind in Vorbereitung.

Aktuelle Publikation

Opferschutz innerhalb und außerhalb des Strafrechts

Perspektiven zur Übertragung opferschützender Normen aus dem Strafverfahrensrecht in andere Verfahrensordnungen

Michael Kilchling

165 Seiten, Berlin, 2018.

Die vorliegende explorative Studie wurde im Auftrag des Bundes­ministe­riums der Justiz und für Verbraucherschutz erarbeitet. Sie untersucht, ob, in welchem Umfang und auf welche Weise die Opferschutzstandards, die sich seit vielen Jahren im Straf­pro­zess­recht etabliert und bewährt haben, auch in andere gerichtliche Verfahrensordnungen, namentlich die ZPO, das FamFG und das ArbGG sowie das SGG, über­tra­gen werden könnten und sollten. Obwohl die Risiken sekundärer Viktimisierung in diesen Verfahren nicht unbedingt geringer sind als im Strafverfahren, sind Opfer dort bis dato weitgehend schutzlos gestellt.
Basierend auf einer vikti­mo­lo­gi­schen Begründung der Ziele und Elemente eines effektiven prozessualen Opferschutzes werden die prozessbezogenen Schutzbedürfnisse Betroffener jenseits des Strafverfahrens untersucht. Auf der Grundlage der aktuellen Opfer­schutz­standards im Straf­pro­zess­recht werden sodann systematisch und unter Berücksichtigung der strukturellen Unterschiede der Prozessarten wichtige Schutzlücken in den anderen Verfahrensordnungen identifiziert. Abschließend werden verschiedene Bausteine für einen verbesserten Opferschutz in diesen Verfahrensordnungen zur Diskussion gestellt. Kurze Exkurse in das österreichische und das schweizerische Recht runden die Analyse ab. Mit den Vorschlägen für die Umsetzung eines möglichst einheitlichen Schutzkonzeptes zugunsten von Opfern für sämtliche gerichtlichen Angelegenheiten mit Bezug zu einem viktimologisch relevanten Geschehen betritt die Studie in Deutschland ein Stück weit Neuland.
Ergänzt wird der Band durch einen aktuellen Gesetzesanhang. Er enthält ein Kompendium aller wesentlichen Normen mit Opfer­relevanz im Volltext (StPO, ZPO, GVG, FamFG, ArbGG, SGG/SGB X und PsychPbG; Stand 31. Dezember 2017).

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  • Geändert am: 15.10.2018
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