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Forschungsprofil

„Strafrecht ohne Kriminologie ist blind, Kriminologie ohne Strafrecht hingegen uferlos“. Das war das Credo des Gründers des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg, Prof. Hans-Heinrich Jescheck. Seit dem Jahr 1970 vereint das Institut daher auch die beiden Abteilungen Strafrecht und Kriminologie unter einem Dach. Im Mai 2019 kam zudem die dritte Abteilung Recht der öffentlichen Sicherheit hinzu. Die Forschungsausrichtung des Instituts ist grundlagenorientiert und durch den interdisziplinären rechts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsansatz zugleich anwendungsbezogen. Die selbstständigen Forschungsbereiche sind nicht nur methodisch miteinander verzahnt, sondern auch durch die Wahl ihrer Forschungsgegenstände aufeinander abgestimmt. In den Forschungsmethoden ergänzen sich die Forschungsabteilungen mit ihren unterschiedlichen Untersuchungsansätzen und theoretischen Perspektiven.

Im Hinblick auf den Gegenstand der Forschung stehen im Mittelpunkt der Forschungsprogramme die Herausforderungen für das Strafrecht und die Kriminalpolitik, die sich aus dem gesellschaftlichen Wandel in der „Weltgesellschaft“, der „Informationsgesellschaft“ und der „Risikogesellschaft“ ergeben: Die – in verschiedenen Bereichen zunehmend grenzüberschreitend begangene – Kriminalität, die Kriminalpolitik und die strafrechtliche Kontrolle verändern sich im Verlauf gesellschaftlicher Prozesse, von denen vor allem die Globalisierung und die technologische Entwicklung (Digitalisierung und Vernetzung) hervorzuheben sind. Moderne Formen der Transaktionskriminalität beruhen auf neuen Techniken, Organisationsformen und Risikoszenarien; die neuen Risiken haben eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung. Diese Bedeutung entfaltet sich sowohl in empirischer wie in normativer Hinsicht. Das Spektrum an Veränderungen der Kriminalitätskontrolle zeigt sich besonders anschaulich an dem gegenwärtigen globalen Wandel des Strafrechts zu einem präventiven Sicherheitsrecht, das sich sowohl auf Annahmen zu grenzüberschreitend agierenden Straftätergruppen als auch auf weltweit veränderte Wahrnehmungen von Risiken und Kriminalpolitiken jenseits des jeweiligen staatlichen Territoriums stützt. Diese Entwicklung ist deswegen  auch nicht mehr allein national zu erklären, sondern nur als Teil eines internationalen Prozesses erfassbar.

Die enge Verbindung von Strafrecht, öffentlichem Recht und Kriminologie schlägt sich ferner in der Zusammenarbeit der Abteilungen bei der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in den am Institut gegründeten International Max Planck Research Schools nieder, deren Doktorand*innen von den Direktoren häufig gemeinsam betreut werden. Die inhaltliche Zusammenarbeit wird zudem regelmäßig auf gemeinsamen Tagungen und Workshops im In- und Ausland sichtbar.