Geschichte und Entstehung des Instituts

Vom Seminar zum Max-Planck-Institut

Das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht geht zurück auf das Seminar für ausländisches und internationales Strafrecht an der Universität Freiburg. Dieses wurde im Jahr 1938 von Prof. Dr. Adolf Schönke, damals Inhaber des Lehrstuhls für Strafrecht an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg, beantragt und am 31. Oktober 1938 vom Badischen Ministerium des Kultus und Unterrichts genehmigt. Die Anregung des Reichsjustizministeriums an die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft – die spätere Max-Planck-Gesellschaft – neben den zwei Instituten für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht sowie für ausländisches und internationales Privatrecht auch ein Institut für Strafrecht zu gründen, konnte wegen des Kriegsbeginns nicht mehr verwirklicht werden. Das Seminar musste sich daher in seinen ersten Jahren, die zudem noch durch den Krieg überschattet waren, mit einem bescheidenen Rahmen begnügen. Dennoch gelang es Adolf Schönke, die Bibliothek des Seminars von zunächst 1.200 Bänden auf 5.000 Bände bei Kriegsende zu erweitern.

Im Jahr 1947 wurde das Seminar in „Institut für ausländisches und internationales Strafrecht“ umbenannt. Das Kultusministerium sowie die Universität wollten dadurch den fortschreitenden Ausbau der Bibliothek sowie den Wachstum der Auslandsbeziehungen und die zunehmende wissenschaftliche Leistungsfähigkeit der jungen Einrichtung würdigen, die auch während der Kriegszeit ihre in der friedlichen Zusammenarbeit der Völker gelegenen Ziele nie aus den Augen verloren hatte.

Prof. Dr. Hans-Heinrich Jescheck am Schreibtisch

Prof. Dr. Hans-Heinrich Jescheck

Nach dem frühen Tod von Adolf Schönke im Jahr 1953 wurde am 1. April 1954 der Privatdozent und Ministerialrat im Bundesministerium der Justiz, Dr. Hans-Heinrich Jescheck, zu seinem Nachfolger berufen. Noch im selben Jahr wurde das Institut zu einer Stiftung der Bundesrepublik Deutschland, des Landes Baden-Württemberg und der Universität Freiburg ausgestaltet. Diese Maßnahme war von Adolf Schönke noch zu Lebzeiten vorbereitet und vor allem von Dr. Walter Strauß, Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz, nachhaltig unterstützt worden. Nach der Unterzeichnung der Stiftungsurkunde am 14. Juni 1954 konnte die Ausstattung mit wissenschaftlichem Personal von einem auf sieben Assistenten erhöht werden. Hinzu kamen mehrere wissenschaftliche Hilfskräfte sowie Forschungsstipendiaten und freie Mitarbeiter.

Die Aufnahme des Instituts in die Max-Planck-Gesellschaft erfolgte im Jahre 1966. Hierfür setzten sich insbesondere der damalige Präsident der Gesellschaft, Prof. Dr. Adolf Butenandt sowie wiederum Staatssekretär Dr. Strauß ein. Zum wissenschaftlichen Mitglied und Direktor des neuen Instituts wurde der bisherige Leiter, Prof. Dr. Hans-Heinrich Jescheck berufen. Als auswärtige wissenschaftliche Mitglieder wurden Prof. Dr. Thomas Würtenberger, der damalige Leiter des Universitätsinstituts für Kriminologie und Strafvollzugskunde in Freiburg, und später Prof. Dr. Theo Vogler, Gießen, berufen.

Im Jahre 1970 stimmte die Max-Planck-Gesellschaft der Gründung einer kriminologischen Forschungsgruppe im Institut zu, um die notwendige empirische Forschung auf dem Gebiet der Strafrechtswissenschaft im Institut zu verankern und mit der Rechtsvergleichung organisch zu verbinden. Zum Leiter der neuen Forschungsgruppe wurde PD Dr. Günther Kaiser berufen, der vorher am Institut für Kriminologie der Universität Tübingen tätig war. 1973 wurde er neben Hans-Heinrich Jescheck zum Direktor des Instituts berufen. 1971 wurde er weiterhin Honorarprofessor an der Universität Freiburg und 1982 gleichzeitig Professor an der Universität Zürich.

Bauphase des Max-Planck-Instituts

Der Neubau des Institutsgebäudes entsteht.

Der markante Neubau in dem das Institut bis heute untergebracht ist, konnte im Jahre 1978 bezogen werden. Das Gebäude lehnt sich an einen Berghang an und gliedert sich in vier Stockwerke und ein Tiefgeschoss. Neben Räumen für Verwaltung, Bibliothek, EDV, Verlag, Haustechnik und natürlich die Wissenschaftler enthält das Gebäude auch mehrere Seminarräume, einen Vortragssaal, eine Cafeteria und umfangreiche Archivräume. Für Gäste, Stipendiaten und Doktoranden gibt es weiterhin zwei Lesesäle mit insgesamt 40 Plätzen. Schließlich steht für alle Institutsnutzer ein Zeitschriftenlesesaal mit den laufenden Jahrgängen von etwa 1.850 Periodika aus dem In- und Ausland zur Verfügung. Im Jahr 2008 konnte ein Erweiterungsbau in der Fürstenbergstraße eingeweiht werden, in dem Büros der Verwaltung, mehrere Seminar- und Besprechungsräume sowie Gästezimmer des Instituts untergebracht sind.

Im Jahre 1982 wurde Prof. Dr. Albin Eser, M.C.J., zum Nachfolger auf den Lehrstuhl von Prof. Dr. Jescheck an der Universität Freiburg sowie zum wissenschaftlichen Mitglied und Direktor am Institut berufen. Prof. Dr. Hans-Jörg Albrecht erhielt im Jahr 1995 den Ruf der Max-Planck-Gesellschaft als Nachfolger von Prof. Dr. Günther Kaiser. Seit 1997 ist er zudem Honorarprofessor an der Universität Freiburg. Prof. Dr. Ulrich Sieber folgte seinem Vorgänger Eser als Leiter der strafrechtlichen Forschungsgruppe und Direktor des Instituts im Jahre 2003 nach. Prof. Dr. Sieber ist seit dem Jahr 2004 zudem Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und an der Universität von Freiburg.

Das Institut wird nun kollegial von Prof. Dr. Hans-Jörg Albrecht und Prof. Dr. Ulrich Sieber geleitet, wobei Prof. Albrecht der kriminologischen und Prof. Sieber der strafrechtlichen Abteilung vorsteht.

  • Geändert am: 01.12.2015
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