Die Max-Planck-Gesellschaft

Namensgeber

Die Max-Planck-Gesellschaft ist nach dem  herausragenden Wissenschaftler Max Karl Ernst Ludwig Planck benannt, der -  neben vielen anderen Ehrungen - für die Entdeckung des  "Planckschen Strahlungsgesetzes" den Nobelpreis erhielt.

Kurzer historischer Abriss

Vorläufer der Max-Planck-Gesellschaft war die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (KWG). Sie wurde 1911 auf Vorschlag von Adolph von Harnack gegründet, der bis 1930 auch der erste Präsident der KWG war. Die zur KWG gehörenden Kaiser-Wilhelm-Institute sollten Grundlagenforschung durch eine Wissenschaftselite betreiben. Die Mitarbeiter der Kaiser-Wilhelm-Institute wurden dafür von jeglicher Lehrverpflichtung freigestellt, die Institute selbst erhielten die jeweils modernsten Apparaturen und wurden durchweg mit großen Mitarbeiterstäben ausgestattet. Diese Maßnahmen sollten komfortable Voraussetzungen für bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen schaffen. Zu den bekanntesten Entdeckungen der KWG gehört die Kernspaltung im Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie im Jahr 1938 durch Otto Hahn, Fritz Strassmann und Lise Meitner. Der spätere Namensgeber der Max-Planck-Gesellschaft war als Nachfolger von Adolph von Harnack in der Zeit von 1930 bis 1937 und – nach der Präsidentschaft von Carl Bosch (1937 bis 1940) noch einmal von 1945 bis 1946 Präsident der KWG.

Am 26. Februar 1948 wurde in Göttingen die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) als Nachfolgeorganisation der KWG gegründet. Letzter Präsident der KWG und gleichzeitig erster Präsident der MPG war Otto Hahn. Während im Zeitpunkt der Gründung nur die Institute der britischen und amerikanischen Besatzungszone beitreten konnten, kamen im November 1949 auch die früheren KWG-Institute der französischen Zone hinzu. Erst vier Jahre später, im Jahre 1953, wurden die ehemaligen Berliner Institute in die MPG überführt. Die MPG ist nach ihrer Gründungssatzung eine „Vereinigung freier Forschungsinstitute, die nicht dem Staat und nicht der Wirtschaft angehören. Sie betreibt die wissenschaftliche Forschung in völliger Freiheit und Unabhängigkeit, ohne Bindung an Aufträge, nur dem Gesetz unterworfen.“ Im Jahre 1960 übergab Otto Hahn das Amt des Präsidenten der MPG an den Nobelpreisträger für Chemie Adolf Butenandt. Die Gesellschaft zählte zu diesem Zeitpunkt bereits 40 Institute und Forschungseinrichtungen mit insgesamt rund 2.600 Beschäftigten (davon etwa 750 Wissenschaftler). Während der 1960er Jahre wuchs die MPG kontinuierlich an und konnte die Zahl der Institute und Mitarbeiter sowie den ihr zugewiesenen Etat deutlich erhöhen. 1970, also nur etwa zehn Jahre später, erhielt die MPG bereits mehr als 200 Mio. Euro. Dieser Zuwachs betraf jedoch nicht die MPG allgemein, sondern war an allen bundesdeutschen Forschungs- und Wissenschaftsorganisationen zu beobachten. In dieser Zeit wurden auch die geisteswissenschaftlichen Institute, die bis dahin eher stiefmütterlich behandelt worden waren, stärker in das Forschungsspektrum der MPG einbezogen. Auf dem Gebiet der Rechtswissenschaft wurden etwa Institute zur europäischen Rechtsgeschichte sowie zum Patent-, Urheber- und Wettbewerbsrecht gegründet. In dieser Phase wurde auch das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Freiburg gegründet.

Seit den 1990er Jahren fördert die MPG in immer stärkerem Ausmaß die Vernetzung der Forschung zwischen ihren Instituten (durch institutsübergreifende Forschungsinitiativen), mit Universitätskliniken (so genannte Tandem-Projekte) und mit Hochschulen (insbesondere durch Forschungsgruppen). Durch die Einrichtung von International Max Planck Research Schools seit dem Jahr 2000 wird auch der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Vernetzung mit dem Ausland ein größerer Stellenwert eingeräumt. Gegenwärtiger Präsident der Max-Planck-Gesellschaft ist Prof. Dr. Martin Stratmann.


 

Organisation

Die Max-Planck-Gesellschaft ist trotz ihrer staatlichen Förderung keine staatliche Einrichtung, sondern ein eingetragener Verein. Der juristische Sitz der Gesellschaft liegt in Berlin, das Büro des Präsidenten sowie die Generalverwaltung befinden sich in München. Die Mitglieder des Vereins sind die mehr als 800 fördernden Mitglieder, die Ehrenmitglieder, die Mitglieder von Amts wegen sowie die Wissenschaftlichen Mitglieder.

Die MPG passt das Forschungsspektrum ihrer Institute kontinuierlich an die sich veränderten wissenschaftlichen Erfordernisse an. Neue Forschungsthemen können dadurch aufgegriffen werden, dass herausragende Wissenschaftler an bestehende Institute berufen werden oder die Arbeitsrichtung von Abteilungen oder ganzen Instituten neu definiert wird. Im Einzelfall ist es auch möglich, vollständig neue Institute zu gründen. Umgekehrt können Institute oder einzelne Abteilungen geschlossen werden, wenn deren Forschungsziel erreicht wurde, die Arbeitsrichtung inzwischen an den Universitäten ausreichend etabliert ist oder wenn keine geeignete Forscherpersönlichkeit als Nachfolger des Leiters eines Instituts gewonnen werden kann. Gegenwärtig unterhält die MPG 78 Institute und Forschungseinrichtungen in Deutschland. Drei Institute sowie mehrere Außenstellen befinden sich im Ausland.

Ein wichtiges Element bei dem Aufbau neuer Forschungsschwerpunkte ist die kontinuierliche Evaluation aller Institute. Durch die regelmäßige wissenschaftliche Begutachtung wird die hohe Qualität der Arbeit der Max-Planck-Institute gesichert. Kernstück dieser Evaluation sind die unabhängigen Fachbeiräte, deren Mitglieder zu mehr als 90% aus anderen Forschungseinrichtungen kommen. Mehr als die Hälfte der Fachbeiräte in der MPG stammen aus dem Ausland. Die Arbeit eines Instituts wird durch den jeweiligen Fachbeirat alle zwei Jahre evaluiert.

Max-Planck-Institute engagieren sich in den Gebieten, die neu sind, besonderen finanziellen oder zeitlichen Aufwand erfordern oder nicht in den organisatorischen Rahmen der Hochschulen passen. Das Forschungsspektrum wird dabei permanent weiterentwickelt, um Antworten auf zukunftsträchtige wissenschaftliche Fragen zu finden. Nach dem Selbstverständnis der MPG werden Institute um weltweit führende Spitzenforscher herum aufgebaut. Diese bestimmen ihre Themen selbst, sie erhalten beste Arbeitsbedingungen und haben freie Hand bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter. Die Institute passen sich also ihren Leitern an und nicht umgekehrt. Dieses so genannte Harnack-Prinzip geht auf den Theologen Adolf von Harnack zurück, der das damals neue Konzept einer außeruniversitären Forschungseinrichtung zum Erfolg geführt hat.

Zum Umsetzung der von der Max-Planck-Gesellschaft identifizierten Forschungsfelder stehen Gelder zur Verfügung, die in etwa dem Etat von zwei größeren deutschen Universitäten und damit knapp der Hälfte des Budgets der amerikanische Stanford University entsprechen. Etwa 81 Prozent des MPG Budgets entfallen auf den Grundhaushalt, der aus öffentlichen Mitteln von Bund und Ländern zu je 50 Prozent getragen wird. Hinzu kommen Gelder aus der Projektförderung der Länder, des Bundes und der Europäischen Union; diese machen etwa 14 Prozent des Gesamthaushaltes aus. Nur 5 Prozent der Ausgaben entstammen eigenen Einnahmen, Mitgliedsbeiträgen und Spenden.
Besonderes Gewicht wird in der Max-Planck-Gesellschaft auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und auf die internationalen Kooperationen gelegt. Die International Max Planck Research Schools (IMPRS) werden gemeinsam von Max-Planck-Instituten und Partneruniversitäten getragen. Diese Einrichtungen ziehen Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt an: in der Regel kommen deutlich über 50 Prozent der an den IMPRS aufgenommenen Doktoranden aus dem Ausland. Auch arbeitet die MPG gemeinsam mit anderen Personen und Organisationen aus dem Ausland. In über 1.300 internationalen Kooperationen, insbesondere aus den forschungsstarken Ländern Westeuropas, Israel, den USA, Japan und China, unterhält die MPG etablierte Formen des Wissensaustausches. 5.000 internationale Gastwissenschaftler arbeiten an den verschiedenen Max-Planck-Instituten.

Auch im Inland werden Kooperationen gepflegt, insbesondere mit den benachbarten Universitäten. Diese Zusammenarbeit umfasst z.B. die Beteiligung an der akademischen Lehre, Kooperationsvereinbarungen über die Nutzung von Geräten, Labors und Bibliotheken sowie die gemeinsame Beteiligung an Schwerpunktprogrammen, Sonderforschungsbereichen und Graduiertenkollegs, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden.

  • Geändert am: 01.12.2015
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