Abteilungen

Das Institut gliedert sich in zwei Abteilungen. Die strafrechtliche Forschungsabteilung wird von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Sieber, die kriminologische von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans-Jörg Albrecht geleitet.

Strafrechtswissenschaft

Die Strafrechtswissenschaft am Max-Planck-Institut beschäftigt sich seit der Institutsgründung vor allem mit dem deutschen und ausländischen Strafrecht sowie dem internationalen Strafrecht (insbes. Völkerstrafrecht). Die entsprechenden Normen werden vor dem Hintergrund der geschichtlichen, kulturellen und sozialen Zusammenhänge in Auseinandersetzung mit der Rechtsprechung ausgelegt. Lösungen, welche die verschie­de­nen Rechtsordnungen für anstehende Probleme gefunden haben, werden sodann verglichen, Vor- und Nachteile werden abgewogen und Vorschläge und Grundsätze für die Reform des geltenden Rechts erarbeitet.

Diese Arbeit erfolgt am Institut in der strafrechtlichen Abteilung (Leitung: Prof. Dr. Ulrich Sieber). Diese ist organisiert in Länder- und Sachreferate. In den Länderreferaten beobachten und analysieren die Referatsleiter und Landesreferenten kontinuierlich die strafrechtlichen Entwicklungen in den jeweiligen Ländern. Gegenwärtig wird etwa Europa alleine mit sieben Länderreferaten abgedeckt, die zum Teil nicht nur einzelne Länder, sondern ganze Ländergruppen (z.B. die nordischen Länder Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden) bearbeiten.

Die Sachreferate nehmen sich – länderübergreifend – besonderen Problemstellungen an und bearbeiten diese kontinuierlich. So existieren etwa Referate zum europäischen Strafrecht, zum Völkerstrafrecht, zum Informationsrecht und der Rechtsinformatik sowie zum Medizinstrafrecht. Einzelne Fragestellungen, die besonders intensiv und systematisch erforscht werden sollen, werden in so genannten Projekten organisiert, z.B. zu den Themen "Cybercrime", "Strafrecht in Reaktion auf Systemunrecht" oder "Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen".

Das aktuelle Forschungsprogramm der strafrechtlichen Abteilung orientiert sich dabei seit der Amtsübernahme durch Prof. Dr. Sieber an den drei zentralen Herausforderungen im Bereich der Kriminalität und der Kriminalitätsbekämpfung, die mit den Begriffen "Weltgesellschaft", "Informationsgesellschaft" und "Neue Risikogesellschaft" schlagwortartig umschrieben werden können. Kriminalität wird globaler, sie nutzt dabei zunehmend internationale Datennetze; ihre Auswirkungen können – durch Technik und Organisation – schon im Einzelfall gesamtgesellschaftliche Bedeutung erlangen.

Kriminologie

Die Kriminologie untersucht die Erscheinungsformen der strafbaren Handlung und ihre Ursachen. Sie bemüht sich um Aufklärung der nicht in den amtlichen Statistiken festgehaltenen Kriminalität, des so genannten Dunkelfeldes, und prüft das Anzeigeverhalten der Bevölkerung als der wichtigsten Informationsquelle der Strafjustiz. Sie untersucht weiterhin die Einschätzung von Verbrechen und Strafe in der Allgemeinheit. Schließlich beschäftigt sich die Kriminologie mit den kriminalrechtlichen Sanktionsmitteln und Behandlungs­methoden und ihrem Einfluss auf den Verurteilten und seine Familie sowie mit der Wirkung der Strafrechts­pfle­ge auf das Rechtsbewusstsein der Bevölkerung. Eine wichtige Rolle spielt weiterhin auch die Untersuchung der Instanzen der Strafjustiz selbst (Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht und Strafvollzugsbehörden) und das Verhältnis des Bürgers zu ihnen, unabhängig davon, ob er als Anzeigender, Beschuldigter, Verurteilter, Zeuge, Verletzter oder einfach als Publikum in Erscheinung tritt.

Diese Arbeit erfolgt am Institut in der kriminologischen Abteilung (Leitung: Prof. Dr. Hans-Jörg Albrecht). Sie arbeitet nicht länderreferats-, sondern projektbezogen, da die kriminologischen Phänomene vorwiegend länderübergreifend analysiert werden müssen. Die Abteilung widmet sich überwiegend den fünf Schwer­punkt­themen: "Strafverfahren und Sanktionen im Wandel", "Gefährliche Straftäter", "Innere Sicherheit, organisierte Kriminalität, Terrorismus – gesellschaftliche Wahrnehmungen und Reaktionen", "Kriminalität, sozialer Kontext und sozialer Wandel" und "Kriminalpolitik und rechtsstaatliche Entwicklung in Übergangsgesellschaften".

  • Geändert am: 30.09.2016
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