Organisation der Projekte

Wissenschaftliche Arbeiten werden am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht in Form von Projekten organisiert. Projekte werden in der strafrechtlichen Abteilung durch Einzelpersonen, durch Referate oder auch durch die gesamte Abteilung bearbeitet. In der kriminologischen Abteilung wird ausschließlich in Form von Projekten gearbeitet. Schließlich können Projekte auch abteilungsübergreifend bearbeitet werden. Eine Liste aller Projekte mit weiteren Informationen können Sie auf der Seite mit den Forschungsarbeiten abrufen.

Die Projekte der strafrechtlichen Abteilung sind gegenwärtig drei Bereichen zuzuordnen, welche die zentralen Herausforderungen im Bereich der Kriminalität und Kriminalitätsbekämpfung betreffen. Diese können mit den folgenden Begriffen schlagwortartig umschrieben werden:

  • Weltgesellschaft
  • Informationsgesellschaft und
  • Neue Risikogesellschaft

Kriminalität wird globaler; sie nutzt dabei internationale Datennetze; ihre Auswirkungen können - durch Technik und Organisation - schon im Einzelfall gesamtgesellschaftliche Bedeutung erlangen und zu neuen Formen der Makrokriminalität führen. Diese drei Entwicklungen der Welt-, Informations- und Risikogesellschaft hängen eng miteinander zusammen, verstärken sich gegenseitig und führen auch zu teilweise gleichen Problemstellungen.

Ein wichtiger Aspekt dieser Entwicklungen ist ein häufiges Scheitern des klassischen, auf der territorialen Souveränität beruhenden rein nationalen Strafrechts: In der Weltgesellschaft lassen sich global agierende Täter nicht mehr durch ein Strafrecht kontrollieren, dessen Entscheidungen in ihrer Wirksamkeit auf ein nationales Territorium begrenzt sind und die im Falle ihrer Erstreckung auf ein anderes Staatsgebiet erst langwierige Mechanismen der Amts- oder Rechtshilfe durchlaufen müssen. In der modernen Informationsgesellschaft kann die Vielzahl der Datenpakete des Internet mit ihren oft verschlüsselten Inhalten an den Außengrenzen eines Staates nicht mehr flächendeckend überprüft werden, so dass der virtuelle Raum des Internet durch ein territorial begrenztes Strafrecht nur noch begrenzt kontrollierbar ist. Auch in der durch Technik und Organisation gekennzeichneten neuen Risikogesellschaft scheitert das klassische Strafrecht häufig an - vor allem international vernetzten - Fällen der Wirtschaftskriminalität, der organisierten Kriminalität, des Terrorismus, der Kriminalität in gewalttätigen Konflikten mit internationaler Bedeutung oder anderen Formen der Makrokriminalität.

Eine der zentralen Herausforderungen des beginnenden neuen Jahrtausends wird daher die Erforschung von internationalen und supranationalen Strafrechtssystemen und Kooperationsformen sowie von alternativen Präventionsmodellen sein, die zwar mit dem klassischen, territorial begrenzten nationalen Strafrecht zusammenwirken, jedoch in ihrer Effektivität darüber hinausgehen. Neue Formen der Amts- und Rechtshilfe, die unmittelbare Geltung von strafrechtlichen Entscheidungen in anderen Rechtssystemen, supranationales Strafrecht sowie europäische oder gar universelle Modellstrafgesetze gehören daher ebenso zum zukünftigen Forschungsschwerpunkt des Instituts wie die internationale Selbstregulierung der Wirtschaft, neue Formen der staatlich-privaten "Ko-Regulierung" oder der Umgang mit Post-Konfliktsituationen auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. In diesem Rahmen sollen auch Fragestellungen aus bisherigen Forschungsprojekten des Instituts (wie zum Projekt "Strafrecht in Reaktion auf Systemunrecht") weiterentwickelt werden.

Die Projekte der kriminologischen Abteilung lassen sich hingegen insgesamt fünf Schwerpunkten zuordnen. Dieses sind "Sanktions- und Vollzugsforschung", "Organisierte Kriminalität und Innere Sicherheit", "Normanwendung im Strafverfahrensrecht", "Opferforschung" sowie "Sozialer Wandel, Veränderung von Lebenslagen, Kriminalität und Kriminalitätskontrolle".

  • Im Schwerpunkt "Sanktions- und Vollzugsforschung" wurden die Studie "Resozialisierung im Strafvollzug - Eine vergleichende Längsschnittstudie zu Regelvollzugs- und sozialtherapeutischen Modellanstalten in Nordrhein-Westfalen" und die Untersuchung zum elektronisch überwachten Hausarrest, die dieses Thema rechtsvergleichend wie empirisch in Schweden und Deutschland behandelt, mit der Vorlage von Forschungsberichten abgeschlossen. In der Studie zur Evaluation des hessischen Experiments zum elektronisch kontrollierten Hausarrests wurde die Datenerhebung den Planungen entsprechend fortgeführt.
  • Im Schwerpunkt "Organisierte Kriminalität und Innere Sicherheit" wurden die Untersuchungen zu "Drug Trade in Russia", "Risk Assessment in the Legislative Process" sowie "Geldwäsche und Gewinnabschöpfung in internationaler Perspektive" mit der Vorlage von Forschungsberichten abgeschlossen. Im Projekt "Die justizielle Bewältigung von Erscheinungsformen organisierter Kriminalität" wurde die intensive Datenerhebung weitgehend beendet, ein Auswertungsplan wurde erstellt. Im Projekt "The Double Construction of Crime", das Kriminalität in Frankfurt und Mailand zum Gegenstand hat, sowie "Drug Markets in Frankfurt and Milan" sind Auswertungen und Datenerhebungen fortgeführt worden.
  • Im Schwerpunkt "Normanwendung im Strafverfahrensrecht" wurden Berichte zu den Projekten "Kinderzeugenschutz im Strafverfahren" und "Die Regelwerke der Vereinten Nationen zum Jugendstrafrecht in Theorie und Praxis" veröffentlicht. In der Untersuchung "Implementation- und Evaluation des Täter-Opfer-Ausgleichs und Wiedergutmachung im allgemeinen Strafrecht im deutsch-österreichischen Vergleich" sind die Daten nunmehr vollständig erfasst; die Auswertungen haben begonnen.
  • Innerhalb des vierten Forschungsschwerpunktes "Opferforschung", wurde die Untersuchung "Viktimisierung im Vergleich Freiburg/Jena I" veröffentlicht. Ein weiterer Forschungsbericht zur "Punitivität", der auf den Datensätzen der Jena-Freiburg Studien I und II beruht, wurde vorgelegt. Ferner ist der Band "Ansätze und Strategien kommunaler Kriminalitätsprävention" im Jahre 2001 erschienen. Im Rahmen des Projekts "Viktimisierung in den alten und neuen Bundesländern Deutschlands - Vergleich Jena/Freiburg II" erfolgten weitere Auswertungen der Datensätze, wobei besondere Aufmerksamkeit den Veränderungen im Vergleich zur Freiburg-Jena I Studie und methodischen Fragestellungen gewidmet wurde.
  • Im Schwerpunkt "Sozialer Wandel, Veränderung von Lebenslagen, Kriminalität und Kriminalitätskontrolle" ist die Studie "Sanktionsprofile, abweichendes Verhalten, Gewalt- und Wertorientierungen Jugendlicher" in Teilen fertiggestellt worden. In der Untersuchung "Gewalt- und Jugenddelinquenz im sozialökologischen Kontext", die zum Ziel hat, die urbane Jugenddelinquenz und die sie bedingenden Einflussfaktoren am Beispiel zweier westdeutscher Städte sowie im internationalen Vergleich zu analysieren, wurden die Datenerhebungen abgeschlossen und Auswertungen durchgeführt, die in Zwischenberichte eingeflossen sind. In der "Kohortenstudie zur Entwicklung polizeilich registrierter Kriminalität und strafrechtlicher Sanktionierung" wurde ein erster Berichtsband zur Kohortenstudie fertiggestellt, dem nunmehr in regelmäßigen Abständen weitere Berichtsbände folgen sollen. Eine Teilstudie, die die Sanktionshärteentwicklung im Längsschnitt zum Gegenstand hat, wurde ebenfalls mit der Vorlage eines Forschungsberichts beendet. Schliesslich wurde eine weitere Teilstudie zu Praktiken der Diversion begonnen.
  • Geändert am: 01.12.2015
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