Referat Internationales Strafrecht und Völkerstrafrecht

Schwerpunkte:

Das Institut hat von Anfang an die grundlegende Bedeutung des internationalen Strafrechts und des Völkerstrafrechts erkannt und bereits frühzeitig ein Referat für diese Bereiche eingerichtet. Das internationale Strafrecht im weiteren Sinne umfasst Regelungen zur Anwendung des nationalen Strafrechts bei grenzüberschreitenden Sachverhalten, die internationale Rechtshilfe sowie das Völkerstrafrecht.

Arbeitsfelder:
  • Völkerstrafrecht

  • Transitional Justice/Post-Conflict Justice

  • Internationale Rechtshilfe

  • Internationale Kriminalitätskontrolle

Leitung

Referatsbereich und Forschungsschwerpunkt:

Internationales Strafrecht:

Im Zeitalter der Globalisierung gewinnt das internationale Strafrecht immer mehr an Bedeutung. Das Gewaltmonopol des Nationalstaates – in Form des Strafrechts – war und ist bis heute die Manifestation der Souveränität des Nationalstaates. Doch zeigt die Entwicklung der letzten Jahrzehnte, dass in einer immer stärker vernetzten Welt die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität, der internationale Terrorismus und der Drogenhandel an Bedeutung gewinnen und daher die alleinige nationale Verbrechensbekämpfung an ihre funktionalen Grenzen stößt. Klare Regeln zur Zuständigkeit einzelner Staaten, die Institutionalisierung der Verfolgung grenzüberschreitender Kriminalität sowie eine Ausweitung der internationalen Zusammenarbeit sind unabdingbare Vorgehensweisen, um der Kriminalitätsentwicklung entgegenzuwirken.


Völkerstrafrecht:

Dem Völkerstrafrecht als Teil des internationalen Strafrechts kommt eine besondere Bedeutung zu. Die Idee eines solchen universell durchsetzbaren Strafrechts kann historisch weit zurückverfolgt werden, doch erst der Versailler Friedensvertrag führte zur ersten wirklichen Normierung der Idee eines internationalen Strafgerichts. Zu einer tatsächlichen Umsetzung und Anwendung eines solchen Internationalen Strafgerichtshof kam es nach dem zweiten Weltkrieg. Aufgrund der Straftaten des nationalsozialistischen Regimes wurde auf der Basis der „London Charta of the International Military Tribunal“ ein Internationales Militärtribunal in Nürnberg etabliert. Später, nach dem Ende des Kalten Krieges, bestand vor dem Hintergrund der schweren Verletzungen des humanitären Völkerrechts im ehemaligen Jugoslawien und in Ruanda innerhalb der Vereinten Nationen der Wille zur Errichtung von ad-hoc Gerichtshöfen. Diesen ad-hoc Strafgerichtshöfen folgten dann unterschiedliche internationalisierte bzw. hybrid ausgestaltete Gerichte u.a. für die Konflikte in Sierra Leone, Ost Timor, Kambodscha und Libanon. Den wohl bedeutendsten Meilenstein in der Geschichte des Völkerstrafrechts stellt die Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofes dar. Im Jahr 1998 wurde das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs verabschiedet, am 1. Juli 2002 trat es in Kraft.

Veranstaltungen (im Rahmen der IMPRS-CC):

Developments in Criminal Law in Africa – Between the Local and the Global
International Workshop
19.04. bis 21.04.2012

[Weitere Informationen]

International Crime Control
Workshop • IMPRS-CC
27.11. bis 28.11.2012

[Weitere Informationen]

Aktuelle Projekte

I. Gemeinschaftsprojekte

    • Africa and International Criminal Law (Cooperation with the African Foundation for International Law)
      Leitung: Dr. Nandor Knust, Jan-Michael Simon, Prof. Roland Adjovi
    • Allgemeine Rechtsgrundsätze des Völkerstrafrechts zur strafbaren Mitwirkung von Führungspersonen in Straftätergruppen und Netzwerken [mehr]
      Leitung: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Sieber, PD Dr. Hans-Georg Koch, Jan-Michael Simon

II. Einzelprojekt

    • Schuetze-Reymann, Jennifer: Überweisungspraxis von internationalen zu nationalen Strafgerichtshöfen [mehr]

Abgeschlossene Projekte

I. Gemeinschaftsprojekte

    • Nationale Strafverfolgung völkerrechtlicher Verbrechen [mehr]
      Leitung: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Albin Eser, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Sieber, Dr. Helmut Kreicker
    • Strafzumessung bei schweren Verbrechen/The Punishment of Serious Crimes [mehr]
      Leitung: Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Ulrich Sieber

II. Einzelprojekte

    • Dr. Knust, Nandor: Strafrecht und Gacaca [mehr]
    • Dr. Hiéramente, Mayeul: Internationale Haftbefehle in noch andauernden Konflikten [mehr]
    • Dr. Kreicker, Helmut: Völkerrechtliche Exemtionen [mehr]
    • Dr. Nemitz, Jan Christoph: Strafzumessung im Völkerstrafrecht [mehr]

Publikationen (Auswahl)

  • Knust, Nandor: Strafrecht und Gacaca. Entwicklung eines pluralistischen Rechtsmodells am Beispiel des ruandischen Völkermordes. Berlin, Duncker & Humblot, 423 S., 2013. Zusätzl.: Diss.

  • Knust, Nandor / Adjovi, Roland: Rwanda. In: Wolfrum, R. (Hrsg.): Max Planck Encyclopedia of Public International Law. Oxford University Press, Oxford 2010 [Online; Printausgabe: 2013, S. 1066 – 1075].
  • Knust, Nandor/Pampalk, Madalena: Transitional Justice und Positive Komplementarität. In: Zeitschrift für Internationale Strafrechtsdogmatik Issue⁄Volume 11/5, 669-675 (2010).
  • Knust, Nandor: Ahndung des Völkermordes in Ruanda: Ein pluralistisches System zur Herstellung von Übergangsgerechtigkeit. In: Forschungsbericht 2008-2009 [Research Report 2008-2009]/Max Planck Institute for Foreign and International Criminal Law (Hrsg.), , 75-78.
  • Knust, Nandor/Hess, Martin; Schuon, Christine: Implementation of the Rome Statute in Germany. In: Finnish Yearbook of International Law, Volume 16. 2005/Jan Klabbers (Hrsg.), 2007, 133-161.
  • Kreicker, Helmut: Völkerrechtliche Exemtionen - Grundlagen und Grenzen völkerrechtlicher Immunitäten und ihre Wirkungen im Strafrecht. Berlin, 2007.
  • Sieber, Ulrich: Legal Order in a Global World, Max Planck Yearbook of United Nations Law, Bd. 14 (2010), S. 1 - 49 (vgl. auch die deutsche Originalfassung: Rechtliche Ordnung in einer globalen Welt, Rechtstheorie, Bd. 41 (2010), S. 151 - 198).
  • Sieber, Ulrich: Blurring the Categories of Criminal Law and the Law of War – Efforts and Effects in the Pursuit of Internal and External Security. In: Criminal Law Between War and Peace – Justice and Cooperation in Criminal Matters in International Military Interventions/Manacorda, S. / Nieto Martín, A. (Hrsg.), Cuenca, Universidad de Castilla-La Mancha 2009, 35-69.
  • Sieber, Ulrich: Mastering Complexity in the Global Cyberspace: The Harmonization of Computer-Related Criminal Law. In: Les chemins de l’Harmonisation Pénale/Harmonising Criminal Law, Collection de L’UMR de Droit Comparé de Paris, Bd. 15. Paris, Société de législation comparée/Delmas-Marty, M. / Pieth, M. / Sieber, U. (Hrsg.), 2008, 127-202.
  • Simon, Jan-Michael: Criminal Accountability and Reconciliation. In: Conflicts and Conflict Resolution in Middle Eastern Societies - Between Tradition and Modernity/Hans-Jörg Albrecht/Jan-Michael Simon/Hassan Rezaei/Holger-C. Rohne/Ernesto Kiza (Hrsg.), 2006, 99-117.
  • Geändert am: 01.12.2015
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