Kunz, F. (2014). Kriminalität älterer Menschen : Beschreibung und Erklärung auf der Basis von Selbstberichtsdaten (Vol. K 164) Schriftenreihe des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht : Kriminologische Forschungsberichte. Berlin: Duncker & Humblot.
Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels rücken ältere Menschen zunehmend auch als potentielle Straftäter in den Blick der Gesellschaft. Zahlreiche Fragen, die sich im Zuge dieser Entwicklung stellen und die insbesondere in den Medien und seitens (kriminal-)politischer Institutionen und Akteure aufgeworfen werden – etwa die Fragen danach, ob ältere Menschen immer krimineller werden und welche Bedeutung dem Tatmotiv „Altersarmut“ zukommt –, konnten aufgrund der vorhandenen, einseitig Hellfeld-bezogenen Daten und Analysen bislang nur unzureichend beantwortet werden. Die vorliegende Untersuchung adressiert diese Kenntnis- und Forschungsdefizite, indem erstmals umfassende Informationen auch zur nicht-registrierten Kriminalität, zu den Tathintergründen sowie zur Legalbiographie und zu psycho-sozialen Merkmalen älterer Straftäter erhoben und ausgewertet werden. Erfasst wurden die Daten im Sommer 2009 mit einer anonymen postalischen Befragung unter 49- bis 81-jährigen deutschen Staatsbürgern in der Region Südbaden. Mit knapp 2.000 retournierten Fragebögen erzielte die Befragung eine Netto-Teilnahmequote von knapp 60% und liefert damit eine aussagekräftige Datengrundlage. Basierend auf den erhobenen Selbstberichtsdaten beschreibt die Studie zum einen Struktur und Ausmaß der Kriminalität älterer Menschen erstmals differenziert unter Einbeziehung des Dunkelfeldes im Hinblick auf verschiedene Aspekte. Zum anderen wird theoriegeleitet untersucht, welche psycho-sozialen Faktoren kriminelles Handeln im höheren Lebensalter begünstigen bzw. hemmen. Dieses Buch bietet neuartige Einblicke zur Straffälligkeit älterer Menschen, beantwortet wichtige Fragen, entkräftet einige bestehende Vorurteile und Mutmaßungen und unterzieht Hell- und Dunkelfeldbefunde einer kritisch-vergleichenden Bewertung. Damit trägt die Arbeit wesentlich zu einem empirisch fundierten, ganzheitlichen Verständnis des Phänomens „Alterskriminalität“ bei.