Arnold, J., & Eser, A. (Eds.). (2002). Strafrecht in Reaktion auf Systemunrecht : Vergleichende Einblicke in Transitionsprozesse. Teilband 6: Mali und Ghana (Vol. S 82.6) Beiträge und Materialien aus dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Strafrecht. Freiburg i. Br.: edition iuscrim.
Dieser Band enthält den Landesbericht zu Mali von Kumelio Koffi A. Afanðe und den zu Ghana von Novisi G. Vukor Quarshie. Die Autoren beschreiben, wie in diesen afrikanischen Staaten nach der Überwindung diktatorischer Regime 1991 bzw. 1992 auf die während der Diktaturen begangene Makrokriminalität der Staatsführung und ihrer Funktionsträger reagiert wurde und wird. Die Berichte geben zunächst einen Überblick über die jüngere Geschichte der beiden Länder seit der Unabhängigkeit, schildern den Verlauf der Diktaturen und skizzieren Art und Ausmaß des Systemunrechts. Im Mittelpunkt der Berichte steht die Analyse des Umgangs mit dem Systemunrecht nach dem Systemwechsel. In Mali fand auf Empfehlung einer Nationalen Souveränen Konferenz eine selektive Strafverfolgung statt. Es wurden allein hohe Funktionäre der Diktatur, unter ihnen der ehemalige Präsident Moussa Traoré, verurteilt, und zwar wegen 1991 begangener schwerer Menschenrechtsverletzungen und wegen eigennütziger Wirtschaftsstraftaten. In Ghana fand keinerlei Strafverfolgung statt, da es dem Militärdiktator Rawlings, der die Demokratisierung einleitete und als ziviler Präsident zunächst an der Macht blieb, gelang, Immunitätsklauseln in der Verfassung von 1992 zu verankern. Im Jahr 2002 wurde in Ghana jedoch eine Versöhnungskommission eingesetzt, um die Makrokriminalität wenigstens aufzuklären und Vorschläge für eine Rehabilitierung der Opfer zu erarbeiten. Rechtspolitische Bewertungen und englisch- bzw. französischsprachige Zusammenfassungen schließen die Berichte ab. Wichtige Rechtsvorschriften werden in Anhängen auch in deutscher Übersetzung wiedergegeben.